Moderne Illustration eines Reithelms als Symbol für VG1 und EN 1384:2023

VG1-Reithelm 2026: Noch zulässig? EN 1384:2023 im Vergleich

Du schaust in deinen Reithelm und findest auf dem Etikett „VG1 01.040 2014-12“. Gleichzeitig liest du bei neuen Modellen immer häufiger „EN 1384:2023“. Muss der alte Helm deshalb sofort ersetzt werden? Darfst du mit einem VG1-Reithelm noch auf einem Turnier starten? Und welche Norm solltest du beachten, wenn du heute einen neuen Reithelm kaufst?

Die kurze Antwort: Ein vorhandener VG1-Reithelm ist in Deutschland nicht automatisch unzulässig oder wertlos. Für einen Neukauf ist EN 1384:2023 jedoch der aktuelle europäische Maßstab.

Entscheidend ist außerdem, wo du den Helm verwenden möchtest. Für privates Reiten, nationale FN-Turniere und internationale FEI-Prüfungen gelten nicht zwangsläufig dieselben Regeln. Dazu kommen Faktoren wie Alter, Sturzgeschichte und vor allem die richtige Passform.

In diesem Ratgeber erklären wir, was hinter VG1 steckt, wie sich die Übergangsnorm von EN 1384:2023 unterscheidet und wie du herausfindest, ob du deinen bisherigen Helm noch verwenden solltest.

Kurzantwort: Ist ein VG1-Reithelm 2026 noch zulässig?

Ja, ein Reithelm mit VG1 01.040 2014-12 muss nicht allein wegen seiner VG1-Kennzeichnung aussortiert werden. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung schreibt für Leistungsprüfungen einen Reithelm gemäß EN 1384 vor und empfiehlt ausdrücklich die jeweils aktuelle europäische Norm. Die FN ordnet VG1 zugleich als zwischenzeitlich verwendete Übergangsnorm ein.

Für die Praxis bedeutet das:

  • Du besitzt bereits einen unbeschädigten VG1-Helm: Die VG1-Kennzeichnung allein ist kein Grund, ihn sofort wegzuwerfen.
  • Du kaufst heute einen neuen Helm: Achte bevorzugt auf EN 1384:2023.
  • Du startest auf einem FN-Turnier: Prüfe zusätzlich die aktuelle LPO, den FN-Ausrüstungskatalog und gegebenenfalls die Ausschreibung.
  • Du startest international nach FEI-Reglement: Prüfe unbedingt die aktuelle FEI-Liste, da ältere Standards schrittweise anders behandelt werden.
  • Der Helm hatte einen starken Aufprall oder Sturz: Die Norm auf dem Etikett ist dann zweitrangig. Ein beschädigter Helm sollte ersetzt werden.

Wichtig ist außerdem: CE ist keine eigene Reithelm-Sicherheitsnorm. Die CE-Kennzeichnung erklärt die Konformität mit den einschlägigen EU-Vorschriften. EN 1384:2023 ist dagegen die technische Norm mit konkreten Anforderungen und Prüfverfahren. Die FN bezeichnet VG1 als zwischenzeitlich verwendete Übergangsnorm und empfiehlt heute die jeweils aktuelle europäische EN-1384-Norm.

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Was ist VG1 01.040 2014-12?

VG1 begegnet einem noch immer auf vielen Reithelmen, obwohl die Bezeichnung heute bei neuen Modellgenerationen zunehmend durch EN 1384:2023 ersetzt wird.

Der Hintergrund liegt mehr als zehn Jahre zurück.

Die frühere EN 1384:2012 war einmal der zentrale europäische Standard für Reithelme. Im Jahr 2014 zog die Europäische Kommission den Verweis auf diese harmonisierte Norm jedoch aus dem Amtsblatt der Europäischen Union zurück.

Damit entstand eine Übergangsphase. Hersteller brauchten weiterhin eine technische Grundlage, anhand derer Reithelme geprüft und ihre Konformität mit den europäischen Anforderungen beurteilt werden konnte.

Hier kam VG1 01.040 ins Spiel.

VG1 war keine normale neue Ausgabe der EN 1384, sondern eine Übergangsspezifikation beziehungsweise Prüfgrundlage. Die Variante VG1 01.040 2014-12 verbreitete sich anschließend über Jahre sehr stark auf europäischen Reithelmen.

Das erklärt auch, warum ein heute mehrere Jahre alter, hochwertiger Reithelm möglicherweise VG1 trägt, obwohl aktuelle Modelle desselben Herstellers inzwischen EN 1384:2023 ausweisen.

VG1 bedeutet also nicht „unsicher“

Das wäre eine zu starke Vereinfachung.

VG1 entstand gerade deshalb, weil nach dem Wegfall der damaligen harmonisierten EN 1384 weiterhin erhöhte technische Anforderungen an Reithelme angewandt werden sollten. Viele Helme wurden unter dieser Prüfgrundlage erfolgreich zertifiziert und über Jahre im europäischen Reitsport verwendet.

Andererseits sollte daraus nicht der umgekehrte Schluss gezogen werden, VG1 sei 2026 weiterhin der Standard, nach dem man gezielt einen neuen Helm suchen sollte.

Für aktuelle Neuware hat sich die Situation verändert.

Ausgewählte EN 1384:2023 Helme

Was ist EN 1384:2023?

EN 1384:2023 ist die aktuelle europäische Norm für Schutzhelme bei reiterlichen Aktivitäten. DIN Media führt die Norm als aktuell und erläutert auch die wesentlichen Änderungen: Ergonomie, zusätzlicher Bordsteinsockel-Aufpralltest, drei Aufschlagstellen, 18,4 J Durchdringungsenergie beziehungsweise 625 mm theoretische Fallhöhe und 800 ± 20 N bei der Prüfung der seitlichen Verformung.

DIN EN 1384:2023-06 bei DIN Media

Die deutsche Fassung wird als DIN EN 1384:2023-06 geführt. DIN Media nennt unter anderem Anforderungen und Prüfverfahren für:

  • Konstruktion und Sichtfeld
  • Stoßdämpfung
  • Durchdringungsfestigkeit
  • seitliche Verformung
  • Trage- und Rückhaltesystem
  • Schirm beziehungsweise Helmschild
  • Kennzeichnung und Benutzerinformationen

Die Ausgabe 2023 ersetzt die DIN EN 1384:2017.

Besonders relevant ist ihr Status auf europäischer Ebene: Die Europäische Kommission nahm EN 1384:2023 als harmonisierte Norm zur EU-Verordnung 2016/425 über persönliche Schutzausrüstung in das Amtsblatt auf. Damit kann die Norm zur Vermutung der Konformität mit den von ihr abgedeckten grundlegenden Gesundheits- und Sicherheitsanforderungen herangezogen werden.

Für einen neuen Reithelm in Deutschland und der EU ist EN 1384:2023 deshalb die Norm, nach der wir heute zuerst suchen würden.

EN 1384:2023 vs. VG1: Was hat sich tatsächlich geändert?

Hier lohnt sich eine genauere Betrachtung, denn im Internet findet man häufig einen zu einfachen Vergleich.

Manchmal heißt es sinngemäß:

VG1 hatte niedrigere Anforderungen und EN 1384:2023 hat erstmals 800 N Seitensteifigkeit oder 625 mm Fallhöhe eingeführt.

So pauschal ist das nicht richtig.

Viele strengere Anforderungen waren bereits Bestandteil der VG1-Übergangsanforderungen. Die neue EN 1384:2023 übernimmt beziehungsweise formalisiert zahlreiche dieser Anforderungen innerhalb einer regulären europäischen Norm und ergänzt weitere Prüfungen.

DIN nennt gegenüber der Ausgabe EN 1384:2017 beispielsweise:

Änderung bei EN 1384:2023Bedeutung
zusätzlicher Aufpralltest mit Bordsteinsockel/Hazard Anvilzusätzliche harte, kantige Aufprallsituation wird geprüft
drei Aufschlagstellenerweiterte Prüfung verschiedener Bereiche
Durchdringungsenergie 18,4 ± 0,5 Jtheoretische Fallhöhe von 625 mm
mechanische Kraft 800 ± 20 Nhöhere definierte Belastung bei der Prüfung der seitlichen Verformung
neue Ergonomie-AnforderungenPassform und Gebrauchstauglichkeit werden stärker berücksichtigt
aktualisierte Verbindung zur EU-PSA-VerordnungNorm ist auf den aktuellen europäischen Rechtsrahmen abgestimmt

Diese Änderungen beschreibt DIN offiziell für den Vergleich EN 1384:2023 gegenüber EN 1384:2017. Sie sollten deshalb nicht einfach als reine „EN-2023-vs.-VG1“-Differenz dargestellt werden.

Auch aktuelle biomechanische Forschung zeigt, dass sich mehrere Reithelmstandards bei klassischen linearen Aufpralltests überschneiden. EN 1384:2023 und VG1 01.040 verwenden beispielsweise bei einem flachen Aufprall vergleichbare Prüfbedingungen; EN 1384:2023 enthält darüber hinaus einen definierten Hazard-Anvil-Test. Die Wissenschaftler weisen gleichzeitig darauf hin, dass Standards Mindestanforderungen darstellen und nicht automatisch beantworten, welcher einzelne Helm innerhalb der Normengruppe den besten realen Schutz bietet.

Die sinnvollere Einordnung lautet daher:

VG1 war eine wichtige Übergangslösung. EN 1384:2023 ist heute die aktuelle harmonisierte europäische Norm und die sinnvollere Orientierung beim Neukauf.

Das bedeutet nicht, dass jeder EN-1384:2023-Helm automatisch „besser“ als jeder ältere VG1-Helm abschneidet. Neben der Norm spielen Konstruktion, tatsächliche Testergebnisse, Alter und vor allem die Passform des konkreten Helms eine entscheidende Rolle.

Warum wurde ausgerechnet eine Übergangsnorm so bekannt?

Wer heute nach „VG1 Reithelm“ sucht, könnte den Eindruck bekommen, VG1 sei über Jahrzehnte eine klassische europäische Helmnorm gewesen.

Tatsächlich erklärt sich ihre Bekanntheit vor allem durch die ungewöhnlich lange Übergangsphase.

Nach dem Rückzug des Verweises auf EN 1384:2012 im Jahr 2014 mussten Hersteller weiterhin nachweisen, dass ihre persönliche Schutzausrüstung die europäischen Anforderungen erfüllt. VG1 etablierte sich deshalb als praktische Prüfgrundlage.

Über Jahre wurden zahlreiche bekannte Reithelme entsprechend gekennzeichnet. Dadurch entwickelte sich „VG1“ bei Händlern und Verbrauchern fast zu einem Synonym für einen geprüften europäischen Reithelm.

Genau das sorgt heute für Verwirrung.

Denn inzwischen gibt es mit EN 1384:2023 wieder eine aktuelle harmonisierte europäische Norm. Neue Modellgenerationen werden entsprechend umgestellt. Ein gutes Beispiel ist der aktuelle uvex exxential III: Der Hersteller weist ihn mit EN 1384:2023 und ASTM F1163-23 aus.

Wer einen solchen aktuellen Helm weiterhin pauschal als „VG1-Reithelm“ bezeichnet, vermischt ältere und neue Zertifizierungen.

Welche Reithelm-Norm gilt 2026 in Deutschland?

Hier muss man zwischen gesetzlicher Helmpflicht, Turnierregeln und Produktsicherheit unterscheiden.

Privates Reiten und Ausreiten

In Deutschland gibt es keine allgemeine gesetzliche Helmpflicht, die jedem privaten Reiter unabhängig von der Situation das Tragen eines Reithelms vorschreibt. Auch im Straßenverkehr besteht für Reiter keine allgemeine gesetzliche Reithelmpflicht. Der ADAC weist jedoch ausdrücklich darauf hin, dass das Tragen zum eigenen Schutz dringend empfohlen wird.

Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder Reitbetrieb jeden Helm akzeptieren muss.

Reitschulen, Vereine, Arbeitgeber, Veranstalter oder Versicherungsbedingungen können eigene Sicherheitsvorgaben enthalten.

Unsere Empfehlung ist unabhängig von der gesetzlichen Mindestlage klar: Beim Reiten sollte ein passender, geprüfter Reithelm getragen werden.

Nationale FN-Turniere

Für Leistungsprüfungen nach LPO ist die Lage eindeutiger.

Die FN schreibt in allen Disziplinen und Leistungsprüfungen, einschließlich des Vorbereitungsplatzes, einen Reithelm gemäß europäischer Norm EN 1384 vor. Gleichzeitig empfiehlt sie die jeweils aktuelle europäische Norm.

Wer heute einen Helm speziell für künftige Turniere kauft, ist deshalb mit EN 1384:2023 deutlich zukunftssicherer aufgestellt als mit der gezielten Suche nach einem alten VG1-Modell.

Vor einem konkreten Start solltest du trotzdem immer die aktuelle Ausschreibung und das aktuelle Regelwerk kontrollieren.

Internationale FEI-Turniere

International können andere oder zusätzliche Vorgaben gelten.

Die FEI hat ihre zugelassenen Helmstandards ab 2026 schrittweise angepasst. In der Übergangsphase werden unter anderem EN 1384:2023, ASTM F1163:2023, PAS 015 und bestimmte ältere Kombinationen berücksichtigt. Ab 2028 werden die Anforderungen nochmals verschärft und für FEI-Prüfungen Kombinationen mehrerer anerkannter Standards relevant.

Das ist ein wichtiger Punkt:

„Mein Helm ist in Deutschland erlaubt“ und „mein Helm erfüllt die Regeln für jeden internationalen Turnierstart“ sind nicht dieselbe Aussage.

Wer international startet, sollte vor jedem Saison- oder Regelwerkswechsel die aktuelle FEI-Liste prüfen.

Darf ich meinen alten VG1-Reithelm weiter benutzen?

Allein anhand der Aufschrift VG1 01.040 2014-12 lässt sich nicht entscheiden, ob ein Helm ausgetauscht werden muss.

Viel wichtiger sind sechs Fragen.

1. Hatte der Helm bereits einen starken Aufprall?

Ist der Helm bei einem Sturz hart aufgeschlagen, sollte er ausgetauscht werden. Beschädigungen der stoßabsorbierenden Struktur können vorhanden sein, obwohl außen kaum etwas zu sehen ist.

Auch die British Horse Society warnt ausdrücklich davor, sich nur auf eine optische Kontrolle zu verlassen.

2. Ist die Außenschale beschädigt?

Risse, Verformungen, lose Bauteile, ein beschädigter Verschluss oder auffällige Veränderungen am Material sind klare Warnsignale.

Bei Zweifeln sollte der Hersteller beziehungsweise Fachhandel gefragt werden.

3. Wie alt ist der Helm?

Es gibt keine magische universelle Jahreszahl, die für jedes Modell gleichermaßen gilt.

Hersteller geben unterschiedliche Nutzungs- und Austauschintervalle an. Entscheidend sind Produktionsdatum, erste Nutzung, Nutzungshäufigkeit, Lagerung und Herstellerangaben.

Deshalb ist die Aussage „Jeder Reithelm muss exakt alle fünf Jahre ersetzt werden“ zu pauschal.

4. Passt der Helm noch korrekt?

Ein technisch einwandfreier Helm hilft wenig, wenn er beim Sturz verrutscht.

Kopfform, Frisur, Innenpolster und Einstellung können sich verändern. Gerade bei Kindern ist regelmäßiges Nachprüfen wichtig.

5. Kannst du die Kennzeichnung noch eindeutig erkennen?

Prüfe das Etikett im Inneren des Helms. Norm, Herstellerinformationen und weitere Kennzeichnungen sollten nachvollziehbar sein.

6. Erfüllt der Helm die Regeln deines konkreten Einsatzes?

Bei Freizeitritten kann die Antwort anders ausfallen als bei einem nationalen oder internationalen Turnier.

Wenn du eine Veranstaltung planst, ist das aktuelle Regelwerk die entscheidende Quelle.

Wann würden wir einen VG1-Helm trotzdem ersetzen?

Auch wenn VG1 nicht automatisch „verboten“ bedeutet, kann ein Austausch sinnvoll sein.

Wir würden besonders kritisch prüfen, wenn:

  • der Helm bereits einen Sturz oder starken Schlag abbekommen hat,
  • seine Vorgeschichte unbekannt ist,
  • er gebraucht gekauft wurde,
  • Material oder Verschlusssystem sichtbare Alterserscheinungen zeigen,
  • er nicht mehr stabil und gleichmäßig sitzt,
  • der Hersteller aufgrund des Alters einen Austausch empfiehlt,
  • du künftig nach internationalen Regeln starten möchtest,
  • du ohnehin neu kaufen möchtest und zwischen VG1 und EN 1384:2023 wählen kannst.

Nur die VG1-Kennzeichnung allein wäre dagegen nicht unser Austauschgrund.

Neuer Reithelm: Worauf solltest du 2026 achten?

Wenn du heute neu kaufst, würden wir nicht mehr nach dem „besten VG1-Reithelm“ suchen.

Sinnvoller ist folgende Reihenfolge.

1. EN 1384:2023 prüfen

Für neue Reithelme in Deutschland und der EU ist die aktuelle europäische Norm der naheliegende Ausgangspunkt.

Suche auf dem Produkt, dem Etikett oder in der Herstellerdokumentation konkret nach EN 1384:2023 beziehungsweise der deutschen Ausgabe DIN EN 1384:2023-06.

Ein bloßes „EN 1384“ ohne Versionsangabe ist für die Einordnung weniger aussagekräftig.

2. CE-Kennzeichnung kontrollieren

Reithelme werden im europäischen Rechtsrahmen als persönliche Schutzausrüstung behandelt. Hersteller müssen bei nachgewiesener Konformität die CE-Kennzeichnung anbringen und eine EU-Konformitätserklärung erstellen beziehungsweise zugänglich machen.

Aber:

CE ersetzt die Normangabe nicht.

Vereinfacht gesagt:

  • CE = Konformitätskennzeichnung im europäischen Rechtsrahmen
  • EN 1384:2023 = konkrete technische Helmnorm

3. Passform höher gewichten als Marke oder Preis

Ein teurer Helm, der falsch sitzt, ist keine sinnvolle Wahl.

Köpfe unterscheiden sich nicht nur im Umfang, sondern auch in ihrer Form. Ein Modell kann bei 57 cm Kopfumfang hervorragend passen und ein anderes Modell in derselben nominellen Größe unangenehm drücken oder seitlich Spiel haben.

Die British Horse Society empfiehlt deshalb ausdrücklich, verschiedene Modelle anzuprobieren und den Sitz fachkundig prüfen zu lassen.

4. Nicht „zum Reinwachsen“ kaufen

Besonders bei Kinderreithelmen ist ein zu großer Helm keine gute Sparstrategie.

Die Größenverstellung kann Feinanpassungen ermöglichen, sie kann aber eine grundsätzlich falsche Helmgröße oder Kopfform nicht ausgleichen.

Wenn du speziell einen Helm für Kinder suchst, findest du in unserem Kinder-Reithelm-Vergleich weitere Hinweise zu Größe, Gewicht und Einstellsystemen.

5. Bei Bedarf zusätzliche Standards berücksichtigen

Einige moderne Helme tragen neben EN 1384:2023 noch weitere Zertifizierungen, beispielsweise ASTM F1163-23.

Das kann besonders interessant sein, wenn du international reitest oder einen Helm suchst, der unterschiedliche Prüfprogramme erfüllt.

Es bedeutet aber nicht automatisch, dass ein Helm mit zwei Normen in jedem realen Unfall besser schützt als ein Helm mit einer Norm. Normen setzen primär definierte Mindestanforderungen.

6. Gebrauchte Helme vermeiden

Bei einem gebrauchten Reithelm kennst du die vollständige Belastungshistorie häufig nicht.

Ein Helm kann bereits einen relevanten Aufprall erlebt haben, ohne dass du außen Schäden erkennst. Auch die British Horse Society rät deshalb vom Kauf gebrauchter Reithelme ab.

Aktuelle Reithelme mit EN 1384:2023

Wenn du deinen alten VG1-Reithelm ohnehin ersetzen möchtest, solltest du heute nicht gezielt nach einem neuen VG1-Modell suchen. Sinnvoller sind aktuelle Reithelme, bei denen der Hersteller ausdrücklich EN 1384:2023 ausweist.

Wir haben hier bewusst nur Modelle aufgenommen, bei denen sich die aktuelle Norm anhand der Herstellerangaben nachvollziehen lässt.

ReithelmAktuelle NormAusstattungEinordnung
uvex exxential IIIEN 1384:2023 / ASTM F1163-23Inmould-Bauweise, 3D-IAS-Größenanpassung, Ponytail Cut, BelüftungLeichter moderner Allroundhelm für Freizeit und sportliches Reiten
Covalliero eXiteEN 1384:2023Disc-System, stufenlose Größenanpassung, Fast-Click-Verschluss, waschbares InnenfutterVergleichsweise günstiger Einstieg in einen aktuellen EN-1384:2023-Helm

uvex exxential III

Der uvex exxential III ist ein gutes Beispiel dafür, warum ältere VG1-Produktlisten heute problematisch sind. Der aktuelle exxential III wird von uvex ausdrücklich nach EN 1384:2023 beziehungsweise EN 1384:2023-06 sowie ASTM F1163-23 geführt.

Zur Ausstattung gehören eine leichte Inmould-Konstruktion, das in Höhe und Weite anpassbare 3D-IAS-System, Belüftungsöffnungen und ein tief gezogener Hinterkopfbereich.

  • MAXIMALE SICHERHEIT: Das tiefgezogene Heck deckt den Hinterkopfbereich ab und erhöht den Schutz bei jedem Ausritt oder T…
  • LEICHTES INMOULD-DESIGN: Die robuste Helmschale ist fest mit dem EPS-Material verbunden, was Gewicht reduziert und den T…
  • PONYTAIL CUT: Dank der speziell geformten Helmöffnung sitzen Zopf und Dutt bequem, ohne einzuengen. So behalten Sie stet…

Covalliero eXite

Auch der aktuelle Covalliero eXite erfüllt laut Hersteller EN 1384:2023. Der Helm bietet ein Disc-System zur stufenlosen Größenanpassung, einen flexiblen Helmschirm, ein waschbares Innenfutter, Belüftungsöffnungen und einen Fast-Click-Verschluss.

Damit eignet er sich vor allem als preislich niedriger positionierte Alternative für Reiter, die einen aktuellen EN-1384:2023-Helm suchen.

  • Sicherheit und Komfort: Der Reithelm eXite bietet optimalen Schutz dank elastischem Kopfring und Disc-System. Er ist EN1…
  • Flexibilität und Anpassung: Der Reithelm eXite verfügt über einen flexiblen Kunststoff-Helmschild und eine stufenlose An…
  • Reinigung und Pflege: Das weiche Innenfutter des Reithelms eXite ist maschinenwaschbar und bietet einfache Pflege.

Wo finde ich die Norm auf dem Reithelm?

Die entscheidenden Informationen findest du normalerweise im Inneren des Helms.

Je nach Hersteller sitzt das Etikett:

  • unter oder neben dem Innenpolster,
  • im hinteren Innenbereich,
  • an einem angenähten beziehungsweise eingeklebten Label,
  • teilweise zusätzlich in der Bedienungsanleitung oder Produktdokumentation.

Achte insbesondere auf Angaben wie:

EN 1384:2023

oder bei älteren Helmen:

VG1 01.040 2014-12

Zusätzlich können weitere Kennzeichnungen erscheinen, etwa:

  • CE
  • ASTM F1163-23
  • PAS 015:2011
  • Größenbereich
  • Modellbezeichnung
  • Hersteller
  • Produktionsdatum oder Produktionscode

Wichtig: Nicht nur die Vorderseite des Helms beurteilen

Von außen ist die Norm normalerweise nicht zuverlässig zu erkennen.

Zwei optisch beinahe identische Versionen desselben Modells können aus unterschiedlichen Produktionsjahren stammen und unterschiedliche Zertifizierungen tragen.

Verlasse dich deshalb auf die konkrete Kennzeichnung deines Helms und nicht auf eine alte Shopbeschreibung oder einen Vergleichsartikel.

VG1, EN 1384, PAS 015 und ASTM: Was bedeuten die Normen?

Gerade bei höherpreisigen Reithelmen tauchen oft mehrere Normen gleichzeitig auf.

KennzeichnungHerkunft / FunktionEinordnung für 2026
EN 1384:2023aktuelle europäische Reithelmnormwichtigste Orientierung beim Neukauf in Deutschland/EU
VG1 01.040 2014-12europäische Übergangsspezifikationauf vielen älteren Helmen vorhanden, aber nicht mehr die Norm, nach der wir gezielt Neuware auswählen würden
PAS 015:2011britische Spezifikation für Reithelmeweiterhin auf Helmen und in einzelnen Sportregelwerken relevant; das ursprüngliche BSI-Dokument wurde 2025 zurückgezogen
ASTM F1163-23US-amerikanischer Standard für Reithelmeinternational relevant und häufig zusätzliche Zertifizierung moderner europäischer Helme
CEEU-Konformitätskennzeichnungkeine eigene Reithelm-Prüfnorm

Bei PAS 015 gibt es eine interessante Besonderheit: BSI führt PAS 015:2011 seit dem 3. Januar 2025 als „withdrawn“. Trotzdem taucht PAS 015 weiterhin auf vorhandenen Helmen und in aktuellen internationalen Turnierregeln auf.

Das zeigt, warum die Frage „Ist eine Norm noch gültig?“ oft zu kurz greift.

Man muss unterscheiden zwischen:

  1. dem Status einer technischen Norm,
  2. der Zertifizierung eines bereits hergestellten Helms,
  3. den Regeln eines Sportverbandes,
  4. den Anforderungen für einen neuen Verkauf in einem bestimmten Markt.

ASTM F1163-23

ASTM F1163-23 ist die aktuelle US-amerikanische „Standard Specification for Protective Headgear Used in Horse Sports and Horseback Riding“. Sie wird insbesondere in Nordamerika verwendet und begegnet einem zunehmend zusätzlich auf europäischen Premium- und internationalen Turnierhelmen.

Ein aktuelles Beispiel ist erneut der uvex exxential III mit EN 1384:2023 + ASTM F1163-23.

Für einen in der EU verkauften Helm ersetzt eine ASTM-Kennzeichnung jedoch nicht die europäischen Konformitätsanforderungen.

Reithelm richtig messen und Passform prüfen

Die Norm ist nur die halbe Kaufentscheidung.

Die andere Hälfte ist die Passform.

Schritt 1: Kopfumfang messen

Lege ein flexibles Maßband ungefähr waagerecht um die breiteste Stelle des Kopfes, knapp oberhalb der Augenbrauen und über den Ohren.

Miss nicht über dicke Haare, Mützen oder andere Materialien, die du beim Reiten später nicht unter dem Helm tragen wirst.

Schritt 2: Helm waagerecht aufsetzen

Der Helm sollte weder weit nach hinten gekippt sitzen noch tief über die Augen rutschen.

Der Stirnbereich muss geschützt bleiben, ohne dass Sichtfeld oder Augenbrauen unnötig verdeckt werden.

Schritt 3: Sitz vor dem Schließen prüfen

Ein gut sitzender Helm sollte bereits auf dem Kopf stabil sein.

Bewegst du den Kopf vorsichtig seitlich oder nach vorn und hinten, sollte der Helm die Bewegung mitmachen und nicht unabhängig über die Haare rutschen.

Schritt 4: Kinnriemen einstellen

Der Kinnriemen hält den Helm im Ernstfall an seiner vorgesehenen Position. Er sollte sicher anliegen, ohne einzuschneiden oder die Bewegung des Kiefers stark einzuschränken.

Schritt 5: Mehrere Minuten tragen

Ein Helm kann in den ersten 20 Sekunden angenehm wirken und nach zehn Minuten an Schläfen oder Stirn drücken.

Trage ihn deshalb vor der Kaufentscheidung ausreichend lange.

Lese dazu am besten unseren Beitrag zu: Reithelm richtig messen und Passform prüfen

Wenn du nach der Normenfrage direkt aktuelle Modelle vergleichen möchtest, findest du in unserem Reithelm Test 2026 den separaten Produktvergleich. Genau dort gehören Unterschiede bei Gewicht, Belüftung, Einstellsystem und Ausstattung hin, nicht in diesen VG1-Normenratgeber.

reithelm-richtig-messen-kopfumfang

Diese 5 Fehler solltest du bei Reithelmen vermeiden

1. VG1 automatisch mit „verboten“ gleichsetzen

VG1 ist eine ältere Übergangsspezifikation. Allein die Kennzeichnung sagt jedoch nicht, dass ein vorhandener Helm sofort entsorgt werden muss.

2. Beim Neukauf gezielt nach VG1 suchen

Wer heute neu kauft, sollte sich an der aktuellen EN 1384:2023 orientieren.

3. CE für eine Sicherheitsnorm halten

CE ist wichtig, aber keine eigenständige Reithelm-Prüfnorm.

4. Einen Helm nach einem schweren Sturz weiterverwenden

Schäden in der stoßabsorbierenden Struktur sind nicht immer von außen sichtbar.

5. Nur nach Marke, Design oder Preis kaufen

Die richtige Norm ist wichtig. Die richtige Passform ebenso.

Ein schicker oder besonders teurer Helm, der verrutscht, ist keine gute Kaufentscheidung.

Reithelm pflegen: So vermeidest du unnötige Materialbelastung

Ein Reithelm sollte nicht nur nach Stürzen kontrolliert werden.

Auch die Lagerung beeinflusst seine Materialien.

Die British Horse Society empfiehlt unter anderem:

  • starke und dauerhafte direkte Sonneneinstrahlung zu vermeiden,
  • einen nassen Helm natürlich trocknen zu lassen,
  • ihn nicht auf einer Heizung oder an einem Heizkörper zu trocknen,
  • ihn sorgfältig zu behandeln und unnötige Schläge zu vermeiden.

Bewahre den Helm möglichst trocken und geschützt auf. Beachte zusätzlich immer die Pflegehinweise des jeweiligen Herstellers.

Aggressive Reiniger, Lösungsmittel oder eigenmächtige Veränderungen am Helm sind keine gute Idee, wenn sie vom Hersteller nicht ausdrücklich freigegeben sind.

Sicherheitsnorm bedeutet Mindestanforderung, nicht „unkaputtbar“

Auch ein aktueller EN-1384:2023-Reithelm kann Verletzungen nicht in jeder denkbaren Situation verhindern.

Das ist ein wichtiger Unterschied zwischen Zertifizierung und realem Verletzungsrisiko.

Aktuelle Forschung zu Reithelmen weist darauf hin, dass die etablierten Normen vor allem definierte Pass-/Fail-Anforderungen abbilden. Bei realen Stürzen spielen jedoch zusätzlich Aufprallwinkel und Rotationsbewegungen des Kopfes eine Rolle. In einer großen aktuellen Untersuchung mit 45 Helmmodellen unterschieden sich Helme, die normative Mindestanforderungen erfüllten, bei weitergehenden biomechanischen Tests deutlich.

Das bedeutet nicht, dass Normen wenig wert sind. Im Gegenteil: Sie schaffen einen unverzichtbaren Mindeststandard.

Aber sie beantworten eine andere Frage als ein unabhängiger Vergleichstest.

Norm: Erfüllt dieser Helm definierte Mindestanforderungen?

Vergleichstest: Wie unterscheiden sich mehrere bereits zugelassene Helme unter zusätzlichen oder realitätsnäheren Testbedingungen?

Genau deshalb sollte eine Seite über VG1 und EN 1384 nicht gleichzeitig so tun, als könne sie anhand der Norm einen „Testsieger“ bestimmen.

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Helm schützt dich – aber wer schützt dein Pferd?

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Fazit: VG1 ist nicht plötzlich wertlos, beim Neukauf zählt EN 1384:2023

Wer auf seinem bisherigen Reithelm VG1 01.040 2014-12 entdeckt, muss nicht in Panik geraten.

VG1 war eine wichtige Übergangsspezifikation und wurde über Jahre zur Prüfung zahlreicher Reithelme eingesetzt. Ein vorhandener VG1-Helm wird nicht allein durch die Einführung von EN 1384:2023 automatisch unbrauchbar.

Bei einem Neukauf sieht die Entscheidung anders aus.

EN 1384:2023 ist heute der aktuelle harmonisierte europäische Standard für Reithelme und deshalb unsere wichtigste Norm-Empfehlung für neue Helme in Deutschland und der EU.

Prüfe trotzdem nicht nur das Etikett. Mindestens genauso wichtig sind:

  • ein sturzfreier und nachvollziehbarer Zustand,
  • das Alter des Helms und die Herstellervorgaben,
  • eine wirklich passende Kopfform,
  • ein korrekt eingestelltes Rückhaltesystem,
  • die Regeln des jeweiligen Turnierveranstalters.

Wenn du bereits einen älteren VG1-Helm besitzt, lautet die entscheidende Frage deshalb nicht nur „Welche Norm steht darauf?“, sondern auch „Wie alt ist er, was hat er erlebt, passt er noch und wo möchte ich ihn verwenden?“

Möchtest du dagegen ohnehin einen neuen Helm kaufen, musst du nicht mehr gezielt nach VG1 suchen. Orientiere dich an EN 1384:2023, prüfe die Passform und vergleiche anschließend Ausstattung und unabhängige Testergebnisse aktueller Modelle.

Häufige Fragen zu VG1 und EN 1384:2023

FAQ: VG1-Reithelme und EN 1384:2023

Ein Reithelm mit VG1 01.040 2014-12 ist nicht allein aufgrund seiner VG1-Kennzeichnung automatisch unzulässig. Entscheidend sind Einsatzbereich, Turnierregeln, Zustand, Alter und Passform. Für einen Neukauf ist EN 1384:2023 die aktuelle europäische Orientierung.

Nicht automatisch. Wichtiger sind Sturzgeschichte, Alter, sichtbare oder mögliche verdeckte Schäden, korrekte Passform und die Vorgaben für deinen Einsatzbereich. Nach einem starken Aufprall sollte ein Reithelm unabhängig von seiner Norm ersetzt werden.

Bei einem neuen Reithelm für Deutschland und die EU solltest du dich bevorzugt an EN 1384:2023 beziehungsweise DIN EN 1384:2023-06 orientieren. Zusätzliche Zertifizierungen wie ASTM F1163-23 können insbesondere für internationale Einsätze interessant sein.

Die Norm findest du normalerweise auf einem Etikett im Inneren des Helms, teilweise unter dem herausnehmbaren Innenpolster. Dort können beispielsweise EN 1384:2023, VG1 01.040 2014-12, CE und zusätzliche Standards wie ASTM F1163 angegeben sein.

CE und EN 1384 bedeuten nicht dasselbe. CE ist eine europäische Konformitätskennzeichnung. EN 1384:2023 ist die technische Norm mit konkreten Anforderungen und Prüfverfahren für Reithelme. Beim Neukauf solltest du deshalb auf die konkrete Normangabe und nicht nur auf das CE-Zeichen achten.

EN 1384:2023 ist die aktuelle harmonisierte europäische Norm und enthält aktualisierte und zusätzliche Prüfanforderungen. Daraus folgt jedoch nicht, dass jeder Helm mit EN 1384:2023 in jeder Unfallsituation besser schützt als jedes VG1-Modell. Normen definieren Mindestanforderungen; Konstruktion, Passform und die reale Leistung des einzelnen Helms bleiben ebenfalls relevant.

Häufige Fragen zu VG1 und EN 1384:2023